Farkas Olga
Szegedi Tudományegyetem
JGYTF Kar Neveléstudományi Tanszék
Szeged, 2001

Olga FARKAS

Europäertum - Qualität - Moralität

Der Nationale Grundlehrplan konzentriert auf „eine europäische, humanistische Wertordnung, auf Inhalte, die unsere Zugehörigkeit zu Europa fördern”.(1) Nachstehend wird geschildert, wie Lehramtskandidaten an der Juhász-Gyula-Pädagogischen-Hochschulfakultät der Universität Szeged auf Vermittlung von europäischen Werten vorbereitet werden.

*

Im Wahlprogrammangebot der Sektion Erziehungswissenschaften befindet sich der Kurs Wegsucher. Das Programm wurde von der Arbeitsgruppe erarbeitet, die für die schulpraktische Ausbildung verantwortlich ist. Seine gegenwärtige Form ist als Ergebnis einer beinahe zehn Jahre langen Entwicklungsarbeit zustande gekommen. Das Hauptmerkmal des Kurses besteht darin, daß ihm eine praxisorientierte, permanente, intensive Teamarbeit zugrunde liegt.

Das Programm Wegsucher bietet keine fertigen Lösungen, sondern hilft den Kursteilnehmern, ihre eigene Arbeitseffektivität auszureifen. Das Kursprogramm steht jedem Studenten der Hochschule und jedem Lehrer in der Schulpraxis zur Verfügung. Unseres Erachtens gehört die Vermittlung von europäischen Werten zu den Aufgaben eines jeden Pädagogen.

Der Formrahmen des Kurses ist dadurch gekennzeichnet, daß er aus Dreistundeneinheiten besteht; die Gesamtdauer beträgt 24 Stunden. Den Ansprüchen der Teilnehmer gemäß finden die Sitzungen entweder an drei Tagen nacheinander oder an drei Tagen mit kürzeren oder längeren Zeitintervallen statt. Der Kurs besteht aus drei Teilen: Teil 1: Europäische Werte, Teil 2: Einstimmen auf Qualität, Teil 3: Kooperation lernen.

Die Inhaltsmerkmale werden durch drei Schlüsselbegriffe gedeckt: Europäertum, Qualität, Moralität. Bei jeder Teileinheit wird je ein Fragenbereich in den Mittelpunkt der Aufmerksamkeit gesetzt. Die drei Teilthemen werden im Zusammenhang mit den Teilbereichen bearbeitet. Nachstehend folgt eine Übersicht über die Anschauungsgrundlage der Teileinheiten.

(a) Europäische Werte

Der Europarat hat 1993 deklariert, das die Europäische Gemeinschaft theoretisch bereit ist, Länder aus Mittel- und Osteuropa aufzunehmen, die das Europäische Abkommen unterzeichnet haben. Das Gipfeltreffen hat Qualitätsvoraussetzungen angegeben, denen keine zu leistenden, in Zahlen ausgedrückte Werte zugeordnet wurden. Unter den Voraussetzungen der Aufnahme befanden sich eine funktionierende Demokratie, der Rechtsstaat sowie die Durchsetzung von Menschenrechten. In Bezug auf Qualitätsanschauung berücksichtigt das gegenwärtige Paradigma die menschliche Seite der Qualität. Dazu sind innerhalb von Organisationen eine vollständige Entfaltung der Begabung, der Fachkenntnisse, eine Selbstverwirklichung des Individuums zu erzielen.(2) Im Laufe unserer Arbeit kommt diese neue Auffassung zur Geltung. In der pädagogischen Arbeit gilt die Entfaltung der Begabung, der Fähigkeiten des Individuums als einer der europäischen Werte.

Persönlichkeit

Was ist unter Selbstverwirklichung des Individuums zu verstehen? Laut der Theorie Abraham Maslows gibt es eine Bedürfnishierarchie, die von den elementaren biologischen Bedürfnissen bis zu den komplexen psychologischen Bedürfnissen reicht. Selbstverwirklichung gilt als höchstwertiges Motiv. Zu den Eigenschaften von sich selbstverwirklichenden Menschen zählt, daß sie von ihren Begabungen und Fähigkeiten effektiv Gebrauch machen. Momente der Selbtverwirklichung werden von Maslow Spitzenerlebnisse genannt. Zu den Spitzenerlebnissen gehören zum Beispiel Werte wie Freude an der kreativen Tätigkeit, Vollständigkeit, Lebenskraft, Individualität, Anstrengungslosigkeit, Zufriedenheit, Schönheit, Güte und Wahrheit.(3)

Die Europäische Kommission hat drei Grundforderungen der europäischen Gesellschaft formuliert: gesellschaftliche Integration, Steigerung der Beschäftigungsmöglichkeiten und Selbstverwirklichung des Individuums. Die dritte Grundforderung ist eines der höchstwertigen Elemente des Zielsystems der Erziehung. Unter den Schlüsselbegriffen der Teileinheiten befinden sich Kreativität, Schaffen, Offenheit, Flexibilität, Umbau von Stereotypen, und Handlungsorientiertheit. Erneuerungs-, Innovationsfähigkeiten und die der effektiven Kommunikation gewinnen an Bedeutung, Fachkenntnisse werden außerordentlich wichtig. Jedes Individuum sollte imstande sein, Anstrengungen zu machen, um auf neue Herausforderungen adequater zu reagieren, und sollte vor allem motiviert sein, was das Lernen anbetrifft. Damit diese Persönlichkeitsmerkmale sich entfalten, ist die aktive Teilnahme am Lernprozeß unentbehrlich.(4)

Freiheit

Das Ziel, im innerlichen Sinne freie Menschen zu erziehen, die imstande sind, sich zu verwirklichen, ist nur im Prozeß einer qualitativen Bildung und Erziehung möglich. „Qualitativ” und zugleich von europäischem Wert sind Erziehungssysteme, in denen die gesetzten Ziele sich verwirklichen. Wir betonen, daß es sich hier um eine Freiheitsauffassung anderer Art handelt, die von der üblichen Auffassung abweicht. Der Begriff Freiheit wird hier weder vom philosophischen noch vom geschichtlichen Gesichtspunkt aus interpretiert, sondern ein pädagogisch-psychologischer Prozeß wird vorausgesetzt, im Laufe dessen Personen zu autonomeren Menschen werden als sie es früher waren und von ihren inneren Möglichkeiten besser Gebrauch machen. Unter den Zielsetzungen der europäischen Erziehung spielt die Förderung der persönlichen Autonomie eine besonders betonte Rolle.(5)

In der Konzeption von Carl Rogers lernt das Individuum im Sinne dieser Interpretation des Freiheitsbegriffs allmählich verantwortlich zu wählen, Entscheidungen zu treffen. Es erkennt, es hat die Wahl, destruktiv oder konstruktiv zu sein, egoistisch oder zum Wohle der Gruppe  - und in ihr zum eigenen Wohle - zu handeln.  Hat das Individuum all diese Wahlmöglichkeiten, ist es viel wahrscheinlicher, daß eine positive Entwicklungstendenz beginnt.

Die Chance, daß europäische Werte zur Geltung kommen, ist viel größer, wenn Lehr- bzw. Lernprozeß in einer kreativen Workshopatmosphäre ablaufen. Immer mehr Untersuchungsergebnisse zeugen davon, daß unter spezifisch anregenden, motivierenden Verhältnissen mit hohem Vertrauensniveau individuelle Selbstverwirklichungsprozesse sich anregen lassen und konstruktive Änderungen vor sich gehen, positive Energien freiwerden. Diese Unterrichtsart trägt dazu bei, sich gut anpassende, kreative Personen zu erziehen, die auf bedeutende Veränderungen der Welt offen reagieren können bzw. imstande sind, verantwortlich zu entscheiden und anstatt der Anarchie der Aggression eine verantwortliche Freiheit, die sich selbst gestellten Grenzen zu wählen.

Wie erleben Schüler den Zustand der Selbstverwirklichung, der Freiheit? Hier einige Beispiele dafür: „Es war nicht verbindlich, aber die ganze Zeit, die uns zur Verfügung stand, hatte ich Lust, an der Aufgabe zu arbeiten” (Die Person hat entdeckt, was bedeutet, autonom, kreativ zu sein.). „Ich hatte den Eindruck, ich bin wichtig, reif.” „Ich wurde mit reingezogen”. „Diese Aufgabe hat sich für mich als über alle Maßen wichtig erwiesen.” Schlüsselbegriffe des Erlebten: Produktivität, Kreativität, inneres Bedürfnis.(6)

Wir weisen darauf hin, daß gewisse pädagogische Systeme Selbstverwirklichungsbestrebungen und Solidaritätsideal für unvereinbar halten. Unseres Erachtens trägt man durch Anregung zur  vollen Ausnutzung des eigenen Potenzials zur Entwicklung des Individuums, der Organisation und auch der Gesellschaft bei.

Die entworfene Anschauungsgrundlage verlangt von Lehrern eine Vorbereitung, einen Arbeitsstil und eine Berufskompetenz, die von den früheren abweichen. Die Teileinheit Europäische Werte trägt dazu bei, daß Autonomie, Kreativität, Produktivität und Verantwortungsübernahme im Wertsystem von Lehramtskandidaten immer größeren Spielraum bekommen.

(b) Einstimmen auf Qualität

Laut Stellungnahme der Europäischen Kommission ist es unentbehrlich, daß die Schule die menschliche Qualität in den Mittelpunkt der Aufmerksamkeit stellt.

In Ungarn hat das Ministerium für Bildung die Qualitätspolitik im Jahre 1999 gestartet. Durch Änderung des Gesetzes vom Jahre 1993 über Volksbildung wurden die gesetzlichen Rahmen für Erhöhung der Qualität von Bildung, Erziehung und Schulung geschaffen. Das Vorhandensein eines gesetzlichen Hintergrunds ist eine notwendige aber nicht genügende Bedingung dafür, daß Grundsätze, die mit Qualität zusammenhängen, zur Geltung kommen. Bei Qualitätsentwicklung spielt der menschliche Faktor eine entscheidende Rolle. Die Einheit Einstimmen auf Qualität entwickelt die Qualitätsanschauung von Lehrern und regt zur Vorbereitung auf ein qualitätsbewußtes Verhalten an.

„Europäische Qualität”

Aufgrund der Abhandlung von Pál Molnár hat das vorgeschlagene Zukunftsbild der europäischen Qualität drei Schlüsselelemente:

·      Vielfältigkeit, als einer der wichtigsten Faktoren der europäischen Wettbewerbsfähigkeit;

·      Die europäischen Werte - ein „europäischer Mythos” wird zustande gebracht, der außer schon bestehenden Werten teilweise auf neuen Werten beruht;

·      Entwicklung einer „Gewinnen wir zusammen”-Kultur, in der neue Arbeitsmethoden, neue Kooperationsformen, Partnerbeziehungen neuer Art, Teambildung die Schlüsselfaktoren sind.

In weiterem Sinne sind Bürgerorientiertheit, permanente Entwicklung, Angestelltenloyalität, Nutzung von Ressourcen und freie Informationsströmung als Qualitätswerte zu betrachten. (7)

Diese Gedankenfolge läßt sich mit Aufgaben der Qualitätsentwicklung in der Volksbildung vergleichen. Es ist dementsprechend bezogen auf die Welt der Schule als Qualitätswert aufzufassen, wenn die zentrale Rolle des Menschen und die Achtung der Menschenwürde im Erziehungsideal erscheinen und in der Wirklichkeit zur Geltung kommen; außerdem strebt die Schule, als Organisation stets nach Erneuerung. Die Lehrer sind professionell vorbereitet und für ihren Beruf engagiert. Zwischen Staat, Schulverwaltung, Eltern, Lehrern, Schülern, Lokalgesellschaft besteht eine offene Kommunikation.

Der „europäische Bürger”

„Der Begriff europäischer Bürger ist eigentlich eine humanistische Konzeption, der der Aufbau eines größeren Europas zugrunde liegt, das trotz kultureller Unterschiede der Völker der Region, trotz abweichender Wirtschaftskonzeptionen und Naturgegebenheiten der einzelnen Staaten durch das Gefühl vereinigt wird, daß es zu einer gemeinsamen Zivilisation gehört.”(8) Werte der europäischen Qualität werden durch das Erziehungsideal des europäischen Bürgers vergegenwertigt. In der Arbeit, Lebensführung, Anschauung, im Verhalten des europäischen Bürgers erscheinen die vorstehend geschilderten europäischen Qualitätswerte.

Zoltán Báthory erörtert in seiner Abhandlung, daß aufgrund von Dokumenten der Europäischen Union sich zwei Interpretationsrichtlinien der Integration zeigen. Während im rationalen politisch-wirtschaftlichen Zug Erziehung nur als spezifische Branche der „Produktion” von Arbeitskräften betont wird, liegen der kulturell-geistigen Linie eine gemeinsame europäische Tradition, Kultur, das  Bürgerideal von Erasmus zugrunde. Der vorstehend geschilderte Bürgerbegriff ist mit der letzteren Richtung in Verwandtschaft zu bringen. Die Frage stellt sich, was Priorität haben soll: gesellschaftlich-kulturelle Integration oder politisch-wirtschaftliche Integration? (9)

Vom Gesichtspunkt der Vorbereitungsarbeit aus ist eine wesentliche Frage, ob man sich zu der einen oder der anderen Tendenz bekennt, da verschiedene Richtlinien die Anwendung von verschiedenen pädagogischen Mittelsystemen voraussetzen. In unserem kreativen Workshop wird die gesellschaftlich-kulturelle Tendenz betont. Dementsprechend schlagen wir vor, Begriffe wie wirtschaftsartiger Wettbewerb, Wettbewerbsfähigkeit, Schulkonkurrenz neu zu bewerten.

Wettbewerbsfähigkeit

Im pädagogischen Denken wird der Wettbewerbsgeist im wirtschaftlichen Sinne dadurch gefördert, daß in einigen Dokumenten des Schulwesens zum Ziel gesetzt wird daß die Schule als Organisation wettbewerbsfähig werden soll. Unser Dilemma ergibt sich daraus, daß Wettbewerb eine für alle gleich geltende Vergleichsnorm, einen Maßstab voraussetzt. Der Wettbewerb läuft für Studienplätze, für die geringen Finanzmittel, für einen vorteilhaften gesellschaftlichen Status. Als Ergebnis des Selektionsprozesses kommt eine  Hierarchie - natürlich mit ersten und letzten Plätzen - zustande.

Wird die Persönlichkeitsentwicklung als eine Art von Selbstverwirklichung aufgefaßt, ist die Entwicklung als eine Art Kampf für die wesentlichen Plätze und nicht für die Plätze in der Hierarchie zu verstehen. In der entwicklungsorientierten Anschauungsweise richtet sich die Entwicklungsarbeit auf eine zunehmend vollständige Entfaltung von Fähigkeiten. Auf organisatorischer Ebene bedeutet dies, daß Ausbildungsstätten sich nicht miteinander vergleichen wollen: es geht darum, wie die gegebene Schule sich mit sich verglichen entwickelt hat. Priorität hat die Entwicklung, im Laufe deren in der Schule ein den eigenen Zielsetzungen der Schule entsprechender Wirkungsmechanismus ausgereift wird.

Die vorstehend geschilderte Qualitätsanschauung, ein entwicklungsorientiertes Denken lassen sich mit der Verbreitung des wirtschaftsartigen Wettbewerbsgeistes in der Schule wenig vereinbaren.

Unseres Erachtens können vor allem die volle Entwicklung der Priorität genießenden Fähigkeiten, eine effektive Persönlichkeitsentwicklung zur Erfüllung der durch die Europäische Kommission formulierten Grundforderung, der Erhöhung der Beschäftigung beitragen. Perspektivisch lassen sich mit der Entwicklung der inneren Motivation statt Existenzzwang, mit der Entwicklung des persönlichen Potenzials bessere und festere Ergebnisse erzielen. Pfand für die Qualitätsverbesserung mögen die inhaltliche, methodische Erneuerung und die der Anschauungsweise der pädagogischen Arbeit sein. Bei der Vorbereitung von Lehramtskandidaten wurden methodische Mittel eingesetzt, die der entwicklungsorientierten Anschauungsgrundlage entsprachen.

Die Kurse Einstimmen auf Qualität tragen bei, Werte klarzustellen, Widersprüche zu lösen. Studenten können die Frage besser beantworten, was als europäischer Wert, Bildungsqualität, im allgemeinen als europäische Qualität zu betrachten ist. Für Lehramtskandidaten kann erlebnisartiges Lernen zu einer Motivationsgrundlage werden, die zur Anschauungs- und Verhaltensänderungen beiträgt.

(c) Kooperation lernen

Zu den Grundzügen des Institutionssystems der europäischen Volksbildung  gehören Autonomie bzw. die Besonderheit, daß Entscheidungen, die die Tätigkeit von Schulen bestimmen, auf Lokalebene getroffen werden. Die Grundsätze des Nationallehrplans, sein gemeinsames Normsystem wurden bestimmt, sie schreiben jedoch keinen konkreten Weg vor. In Kenntnis der lokalen Gegebenheiten gestalten Lehrerkollegien ihre eigenen Programme.

Eine zweckbestimmte Entwicklung von Fähigkeiten, die Kooperation in Schulgemeinschaften ermöglichen, verlangt ausgesprochen Fachkenntnisse. Sowohl Entscheidungstreffen im Konzensusprozeß, als auch Verantwortungsübernahme in Bezug auf Folgen der Entscheidungen sind zu erlernen. Um Ansprüche der Lokalgemeinschaft wahrzunehmen, braucht Schule ebenfalls eine intensive Entwicklungsarbeit. Lokale Selbstbestimmung besteht darin, daß Schulen - in Kenntnis der ihnen bekannten Lokalansprüchen - ihre Identität bestimmen und dementsprechend ihre Ziele konzipieren. Die Gestaltung eines pädagogischen Programms, dem die Zielerfüllung zugrunde liegt, verlangt von den Lehrern nicht nur Fachwissen, sondern auch eine intensive Kooperation.

In Bezug auf Qualitätsentwicklung wird allgemein angenommen,  daß Qualität ein Lokalbegriff ist. Lehrerkollegien bestimmen selbst, was als Qualität zu betrachten ist und sie ordnen ihrem eigenen Qualitätsbegriff die zu lösenden Aufgaben zu. Damit ein einheitliches Image entsteht, haben Lehrer ihre eigenen Wertordnungen, Normen zu koordinieren, ihre Standpunkte gegenseitig kennenzulernen, Ansichten neu zu bewerten, um einander näher zu kommen. Die Chance auf eine bessere Gesamtleistung ist größer, wenn Menschen imstande sind, zusammenzuarbeiten. Das vorstehend Erwähnte läßt sich ohne Entwicklung der Fähigkeiten, der Persönlichkeit von Lehramtskandidaten, von praktizierenden Lehrern kaum realisieren.

Laut Zoltán Báthory ist unter europäischer Bildungsdimension ein Gewebe von lokalen, nationalen, europäischen und globalen Wertordnungen zu verstehen. In seiner Auffassung handelt es sich um vier gleichwertige Teileinheiten. Dementsprechend lassen sich europäische Werte, Inhalte in die Bildung von außen, von oben nicht integrieren (Báthory, zitiertes Werk, ebenda). In unserer Arbeitsgruppe wird der Begriff europäische Dimension ähnlich interpretiert. Von Lokalaufgaben abgesehen, besteht eine der zu entwickelnden Fähigkeiten darin, daß Schulen für die große Welt offen sind, sich an europäischen Programmen anschließen. Es wäre wichtig, eine Motivationsgrundlage in dieser Hinsicht auszubauen.

Unseres Erachtens besteht eine der grundlegenden Aufgaben der Vorbereitungsarbeit darin, Prozesse, die „innen” beginnen, anzuregen, sie sowohl auf persönlicher als auch auf Organisationsebene zu fördern. Innere Reife-, Erneuerungsprozesse werden angeregt.

Wie Mihály Bihari formuliert, genügt es nicht, die als Voraussetzung für den Beitritt der Europäischen Union geltende Demokratie zu ertragen, sie ist auch zu betätigen. In Ungarn wurde das Institutionssystem der Demokratie theoretisch errichtet. Praktisch liegt es an den Bürgern, ob sie davon Gebrauch machen können. Ohne eine mitgestaltende, aktive, kreative Attitüde und verantwortliche Mitarbeit der Bürger lassen sich demokratisches Denken und Wertsystem nicht konsolidieren. Die Teileinheit Kooperation lernen regt Teilnehmer an, Nutzen der Kooperation zu erfahren, mit der Kooperation vertraut zu werden, Fertigkeiten in diesem Bereich zu erlangen.

Vermittlung von europäischen Werten

Die Grundwerte des Programms Wegfinder wurden im Jahre 1999 unter Grundschulkindern in zwei Grundschulen in Szeged getestet. Beide Schulen werden von Schülern besucht, die aus ausgesprochen zerrütteten Familienverhältnissen kommen und als Problemfälle gelten. Die Schulen haben sich für die Lehramtskandidaten als geeignetes Terrain erwiesen, um an Aufgaben zu arbeiten, die eine Herausforderung darstellten. Die Gruppen, mit denen sie sich beschäftigt haben, wurden auf die Weise zusammengestellt, daß da Kinder verschiedenen Alters, aus verschiedenen ethnischen Gruppen sich die gesellschaftlichen Kooperationsformen gemeinsam anzueignen hatten.

Nach dem Kurs hatten die Schüler einen Aufsatz in Essayform über das Thema „Möglichkeiten, die sich mir erschließen” zu schreiben. Im Laufe der Bewertung hat sich eindeutig herausgestellt, daß Jugendliche den EU-Beitritt als eine Chance erleben. So wie sie formuliert haben: „Die Integration bedeutet für uns eine Möglichkeit, im Leben voranzukommen.”

Im Denken, in den Ansichten der Schüler haben sich Änderungen gezeigt. Zum Beispiel: „Mir fehlt nicht Schulung, sondern Wissen”, „Ich möchte das Abitur machen, um mehr zu wissen, nicht um ein Zeugnis zu haben”.

Auf Änderungen im Denken können später Änderungen im Verhalten folgen. Uns hat ebenfalls interessiert, welche Anstrengungen die Schüler machen, um von den von ihnen formulierten Vorteilen Gebrauch machen zu können. Aus den Antworten waren auch konkrete Handlungen zu entnehmen. Einige Gedanken aus den Aufsätzen: „Ich weiß, daß es noch viele Probleme zu lösen gibt, so lerne ich noch fleißiger.”, „Ich lerne zur Zeit noch vieles, was ich bisher noch nicht gebraucht habe.”, „Ich beschäftige mich mit Sprachen und Informatik.” „Ich bereite mich auf den Schumann-Tag vor, da ich möglichst viel über die Europäische Union wissen möchte”.

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Die Erfahrungen der Kurse zeugen letzten Endes davon, daß eine sach- und zweckmäßige Vorbereitung von Lehrern den entscheidenden Durchbruch von europäischen Werten fördern kann. Die Lehramtskandidaten, die an den Vorbereitungskursen teilgenommen haben, und ihre Schüler erleben den EU-Beitritt als eine Chance, sie bereiten sich darauf vor, um von der Möglichkeit Gebrauch zu machen. Diese Tatsache hat die Arbeitsgruppe davon überzeugt, daß europäische Werte gelehrt und gelernt werden können.(10)

 

Megjelent: In: Europäertum - Qualität - Moralität. Európaiság - politikai és morális kultúra címû Nemzetközi Konferencia kötete, (Németország). Kecskemét, 2000. 7 p.

Anmerkungen

(1) Ministerium für Kultur und Volksbildung (1995): Nationaler Grundlehrplan. Budapest, Seite 7

(2) István Kondor (1997): Begriffe im Qualitätswesen. Moderne Begriffe und Abkürzungen im Qualitätswesen. Gépipari Tudományos Egyesület Ipari Minõségi Klub, Budapest. Seite 128

(3) Gergely Csibra (1995, Herausgeber): Psychlogie. Osiris-Századvég, Budapest. S. 402-403 Der Übersetzung liegt das Werk wie folgt zugrunde: Introduction to Psychology. Eleventh Edition, Harcourt Brace Jovanovich College Publishers, Forth North, 1993, Seiten 402-403

(4) Europäische Kommission (1996): Unterrichten und lernen. Auf dem Weg zur kognitiven Gesellschaft. Weißes Buch über Unterricht und Bildung. Ministerium für Arbeit. In Zusammenarbeit mit dem Leonardo-Büro, Budapest, Seite 141

(5) Bericht einer durch die Europäische Kommission beauftragten internationalen Forschungsgruppe (1998): Europäertum mit Hilfe von Unterricht und Bildung, Új Pedagógiai Szemle, Jahrgang XLVIII, Nr. 11, Seite 115. Der Übersetzung lag eine Publikation zugrunde, die durch eine Schulexperten-Forschergruppe der Europäischen Kommission zur Gestaltung der Bildungspolitik der EU zusammengestellt wurde. Das Dokument ist unter Schulforschern und im Unterrichtswesen auch als „Blaues Buch des Unterrichtswesens” bekannt. Ursprünglicher Titel: Accomplishing Europe through Education and Training. European Commission, 1997

(6) R. Rogers: Person to Person. S. 47-66. 1. Auflage: Farber und Wilson (Herausg.): Conflict and Creativity. San Francisco, 1963. Mc Graw-Hill, Inc. In: Éva Pethõ (1983): Auswahl aus den Werken von Carl Rogers. Psychologische Beratung bei der Berufswahl. Módszertani füzetek, Nr. 27. Ungarisches Pädagogisches Institut, Budapest. Seiten 71-80

(7) Pál Molnár (2000): Auf dem Weg zum Zukunftsbild der europäischen Qualität. Minõség és Megbízhatóság. Nr. 3. Seiten 11-122

(8) Europäische Kommission, 1998, zitiertes Werk, Seite 115

(9) Zoltán Báthory (1998): Europäische Dimensionen der Volksbildung. Új Pedagógiai Szemle, Jahrgang XLVIII, Nr. 7-8, Seite 170

(10) S.ausführlicher: Olga Farkas (2000): Wegsuchen und Vermittlung im Themenkreis Qualitatsmanagement. In: Olga Farkas: Wegsuchen und Vermittlung. 25 Jahre im Lehrerberuf. Designer Stúdió Bt., Szeged, Seiten 151-200.


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