Olga FARKAS
Universität Szeged
Juhász-Gyula-Pädagogische-Hochschulfakultät, Szeged

Europäische Werte im Programmangebot einer pädagogischen Hochschule

Europäertum - Qualität - Moralität [1]

In den letzten Jahren wurde eine in den Gemeinschaften von Staaten in Mittel- und Osteuropa erscheinende Tendenz auch in den Grunddokumenten des Bildungswesens betont. Der Nationale Grundlehrplan konzentriert auf „eine europäische, humanistische Wertordnung, auf Inhalte, die unsere Zugehörigkeit zu Europa fördern” (Ministerium für Bildung und Kultur, 1995. S. 7). Die Tatsache, daß Lehrer bei Geltendmachung eines europäischen Normensystems Schlüsselpersonen sind, läßt sich nicht bestreiten. Im vorliegenden Vortrag wird geschildert, wie Lehramtskandidaten an der Juhász-Gyula-Pädagogischen-Hochschulfakultät der Universität Szeged auf Vermittlung von europäischen Werten vorbereitet werden. Anschließend werden aufgrund von praktischen Erfahrungen des Pädagogikworkshops der Sektion Erziehungswissenschaften Empfehlungen für Ausbildungsstätten formuliert, die sich mit der Ausbildung von Grund- und Oberschullehrern bzw. mit der Fortbildung von praktizierenden Lehrern beschäftigen. Das Kennenlernen der Mentalität des Workshops, die Publikation der Ergebnisse können zum Denken anregen, Inspiration und Ideen auch für Andere bieten.

1. Berufliche Vorgeschichte der Programmgestaltung

Im Wahlprogrammangebot der Sektion Erziehungswissenschaften befindet sich der Kurs Wegsucher. Das Programm wurde von der Arbeitsgruppe erarbeitet, die für die schulpraktische Ausbildung verantwortlich ist. Seine gegenwärtige Form ist als Ergebnis einer beinahe zehn Jahre langen Entwicklungsarbeit zustande gekommen. Das Hauptmerkmal des Kurses besteht darin, daß ihm eine praxisorientierte, permanente, intensive Teamarbeit zugrunde liegt. Die Arbeitsgruppe besteht aus Experten der Theorie und der Praxis. Der Teamleiter hat eine über zehn Jahre lange Schulpraxis in öffentlichen Schulen hinter sich und verfügt über zehn Jahre Berufserfahrungen im Hochschulbereich. Eine weitere Besonderheit der Gruppe ist die berufliche Vielfältigkeit der Teilnehmer: unter den Mitgliedern befinden sich Schulleiter, Lehrer, die in der Schulpraxis tätig sind, Schulexperten und Mitarbeiter mit akademischem Grad. Die Kollegen sind motiviert, sie arbeiten engagiert. Sie nehmen an regelmäßig organisierten Fortbildungsveranstaltungen teil und die Ergebnisse der Arbeit werden oft veröffentlicht. Die Sektion Erziehungswissenschaften trägt zu ihrer Arbeit mit unbeschränkter Zurverfügungstellung der Infrastruktur bei.

Das grundsätzliche Ziel des Workshops ist es, das bestmögliche Schulpraktikum zu entwickeln. Die Hauptfrage ist: Wie lassen sich Lehramtskandidaten und Lehrer in der Schulpraxis vorbereiten, damit sie die Schüler auf Übernahme von europäischen Werten vorbereiten können? Das lateinische Sprichwort „Alles ändert sich, und wir ändern uns mit” kann die Philosophie des Teams sehr gut ausdrücken. Dieser Gedanke zeigt zugleich den Charakter der Vorbereitungsarbeit: Sie wird in Wechselwirkung mit der sich stets ändernden näheren und weiteren Umgebung, in einem permanent schaffenden Erneuerungsprozeß durchgeführt.

Drei Knotenpunkte der Vorgeschichte werden hervorgehoben:

(a) Erprobung einer personenorientierten Annäherungsweise. Erste Phase: 1982-1986, zweite Phase: 1987-1992

(b) Adaptation des Projekts Alternatives to Violence (Alternativen gegen Gewalt). 1993-1997

(c) Anwendung des Programms Kooperation lernen. 1994-1998

Die Knotenpunkte der beruflichen Vorgeschichte lassen sich mit Hilfe der Punkte 1-3 der Übersichtstabelle Nr. 1 (Theoretischer und praktischer Hintergrund des Programms Wegsucher der Sektion Erziehungswissenschaften der Juhász-Gyula-Pädagogischen-Hochschulfakultät der Universität Szeged. 1982-2000) verfolgen. Die gegenwärtige Form und der Inhalt sind ein Gewebe von Erfahrungen aus drei Perioden, die sich gut unterscheiden lassen. In den drei verschiedenen Perioden ist ein Optimierungsprozeß vor sich gegangen. Moderne Qualitätsliteratur würde den Prozeß der Erneuerungsbestrebungen als permanente Entwicklung beschreiben. Die Phasen des Strukturmodells für permanente Entwicklung sind: Planen, Ausführen, Kontrollieren und Ändern (Kondor, 1997. S. 46-47). Schaut man auf die vergangenen Jahre zurück, kann man feststellen, daß die einzelnen Phasen - verschieden genannt und betont - die ganze Zeit  vorhanden waren.

Bei der Beschreibung der beruflichen Vorgeschichte wird der Erneuerungsprozeß betont. Dementsprechend werden die pädagogisch-psychologischen Systeme, die den angewendeten Programmen theoretisch zugrunde liegen, bzw. die Merkmale der Bildungskurse, auf denen die praktische Vorbereitung beruht, nicht spezifiziert. Eine Übersicht darüber steht in der erwähnten Tabelle zur Verfügung. Eine Zusammenfassung der drei Knotenpunkte befindet sich in den Punkten 1-3 der Übersichtstabelle Nr. 2: Hintergrundmerkmale des Programms Wegsucher, 1982-2000.

Was ist im Laufe des Optimierungsprozesses vor sich gegangen?

Nachstehend wird diese Frage mit einer kurzen Beschreibung der Tendenz zwischen 1982-2000 beantwortet. Mit permanenter Neukonzipierung unserer Lehrpraxis, dadurch, daß gewisse Elemente verstärkt andere weggelassen werden, lassen sich Herausforderungen immer besser beantworten.

·      Aus Theorie und Praxis der personenorientierten Annäherungsweise wurden die Elemente beibehalten, die sich in den formellen Unterrichtsrahmen einfügen lassen;

·      In unsere pädagogische Kultur wurden die Beachtung des Persönlichen, eine auf die jeweilige individuelle Entwicklungsstufe bezogene Entwicklungsarbeit eingebaut. Dadurch erhöhte sich die positive Attitüde, die Zufriedenheit der Studenten;

·      Betont wurde nicht mehr der Unterricht sondern das Lernen. Lernen als Erfahrung und Erlebnis, die Workshoparbeit wurde hervorgehoben;

·      Durch lebensnahe Simulationsprozesse haben wir den Schülern zunehmend mehr Handlungsmöglichkeiten geboten. Dank dieser Unterrichtsmethode hatten die Studenten mehr Chancen, die vermittelten Lehrinhalte auch anzuwenden;

·      Positive praktische Erfahrungen wurden permanent in die tägliche Lehrtätigkeit integriert;

·      Wir waren entschiedener bestrebt, unsere Arbeit mit Veränderungen auf den Makro- und Mikroebenen aufeinanderabzustimmen. Die Reaktion in gegebenen Situationen wurde aufgewertet, sowohl in konkreten pädagogischen Situationen als auch auf der Ebene der gesellschaftlichen Ansprüche. Die gesellschaftlichen Herausforderungen haben den Inhalt der Grundwerte und deren Geltendmachung bestimmt (S. Übersichtstabelle Nr. 2, Spalten 3 und 8);

·      Die Suche nach dem Gleichgewicht zwischen Theorie und Praxis sowie eine intensive Suche nach Anwendungs- bzw. Verwirklichungsmöglichkeiten des Theoretischen sind charakteristisch geworden;

·      Inhaltliche und methodische Merkmale der „europäischen Qualität” sind stärker geworden;

·      Die traditionelle Lehrerrolle wurde in der alltäglichen pädagogischen Kultur durch die Rolle des „Fazilitators”, des Anregers ersetzt;

·      In Bezug auf Inhalt, Form und Anschauung hat sich der Arbeitsprozeß von der Programmadaptation in Richtung eines ausgereiften Programms verschoben, das der ungarischen Mentalität, Denkweise und Kultur näher lag.

In Bezug auf Tendenzen sind die Elemente schwächer geworden, die für die Lösung konkreter Alltagsprobleme keine Alternative geboten haben, z. B. längere Vorgeschichten, ausführliche theoretische Erörterungen bei der Bearbeitung einzelner Themen. Wir haben die Studenten um Rückmeldungen gebeten, was dann ermöglicht hat, Bedürfnisse und Ansprüche  besser wahrzunehmen. Das auf den Sitzungen geführte genaue Protokoll und dessen Analyse waren Ausgangspunkte für sachliche Eingriffe, für die Organisierung von Lernprozessen. Im Laufe der üblich gewordenen Erfahrungsaustausche mit den Studenten haben wir Antwort auf die Frage gesucht, wie sich der im Laufe der Vorbereitung angewendete Arbeitsstil in die konkrete Schulpraxis einführen läßt. Die Umfrage und die Bearbeitung von Meinungen haben geholfen, auf die Ansprüche der weiteren Umgebung besser zu reagieren.

Alles zusammengefaßt, haben auch wir - die vorbereitenden Lehrer - einen Lernprozeß mitgemacht, während in unserer Verhaltenskultur die von uns vermittelten Prinzipien, Werte, Normen tatsächlich erschienen sind. Die konsequente und beharrliche Anstrengung  hat ermöglicht, Modelle so zuverlässig zu vermitteln, daß dies ein Muster (aber kein Schema) für die Programmteilnehmer sein kann.

Als Ergebnis dieses langen Prozesses ist das Programm Wegsucher zustande gekommen. Wie schon aus der Bezeichnung hervorgeht, bietet es keine fertigen Lösungen, sondern hilft den Kursteilnehmern, ihre eigene Arbeitseffektivität auszureifen. Das Kursprogramm steht jedem Studenten der Hochschule und jedem Lehrer in der Schulpraxis zur Verfügung. Unseres Erachtens gehört die Vermittlung von europäischen Werten zu den Aufgaben eines jeden Pädagogen.

Die Hauptmerkmale des Programms s. in Punkten 4 der Übersichtstabellen Nr. 1 und 2.

2. Merkmale des Programms Wegsucher

Der Formrahmen des Kurses ist dadurch gekennzeichnet, daß er aus Dreistundeneinheiten besteht; die Gesamtdauer beträgt 24 Stunden. Den Ansprüchen der Teilnehmer gemäß finden die Sitzungen entweder an drei Tagen nacheinander oder an drei Tagen mit kürzeren oder längeren Zeitintervallen statt. Der Kurs besteht aus drei Teilen: Teil 1: Europäische Werte, Teil 2: Einstimmen auf Qualität, Teil 3: Kooperation lernen.

Die Inhaltsmerkmale werden durch drei Schlüsselbegriffe gedeckt: Europäertum, Qualität, Moralität. Bei jeder Teileinheit wird je ein Fragenbereich in den Mittelpunkt der Aufmerksamkeit gesetzt. Die drei Teilthemen werden im Zusammenhang mit den Teilbereichen bearbeitet. Nachstehend folgt eine Übersicht über die Anschauungsgrundlage der Teileinheiten. Die methodischen Lösungen werden im Rahmen eines anderen Vortrags erörtert. [2]

(a) Europäische Werte

Der Europarat hat 1993 deklariert, das die Europäische Gemeinschaft theoretisch bereit ist, Länder aus Mittel- und Osteuropa aufzunehmen, die das Europäische Abkommen unterzeichnet haben. Das Gipfeltreffen hat Qualitätsvoraussetzungen angegeben, denen keine zu leistenden, in Zahlen ausgedrückte Werte zugeordnet wurden. Unter den Voraussetzungen der Aufnahme befanden sich eine funktionierende Demokratie, der Rechtsstaat sowie die Durchsetzung von Menschenrechten. In Bezug auf Qualitätsanschauung berücksichtigt das gegenwärtige Paradigma die menschliche Seite der Qualität. Dazu sind innerhalb von Organisationen eine vollständige Entfaltung der Begabung, der Fachkenntnisse, eine Selbstverwirklichung des Individuums zu erzielen (Kondor, zitiertes Werk, S. 128). Im Laufe unserer Arbeit kommt diese neue Qualitätsanschauung zur Geltung. In der pädagogischen Arbeit gilt die Entfaltung der Begabung, der Fähigkeiten des Individuums als einer der europäischen Werte.

Persönlichkeit

Was ist unter Selbstverwirklichung des Individuums zu verstehen? Laut der Theorie Abraham Maslows gibt es eine Bedürfnishierarchie, die von den elementaren biologischen Bedürfnissen bis zu den komplexen psychologischen Bedürfnissen reicht. Selbstverwirklichung gilt als höchstwertiges Motiv. Zu den Eigenschaften von sich selbstverwirklichenden Menschen zählt, daß sie von ihren Begabungen und Fähigkeiten effektiv Gebrauch machen. Momente der Selbtverwirklichung werden von Maslow Spitzenerlebnisse genannt. Zu den Spitzenerlebnissen gehören zum Beispiel Werte wie Freude an der kreativen Tätigkeit, Vollständigkeit, Lebenskraft, Individualität, Anstrengungslosigkeit, Zufriedenheit, Schönheit, Güte und Wahrheit (Csibra, 1995. S. 402-403).

Die Europäische Kommission hat drei Grundforderungen der europäischen Gesellschaft formuliert: gesellschaftliche Integration, Steigerung der Beschäftigungsmöglichkeiten und Selbstverwirklichung des Individuums. Die dritte Grundforderung ist eines der höchstwertigen Elemente des Zielsystems der Erziehung. Unter den Schlüsselbegriffen der Teileinheiten befinden sich Kreativität, Schaffen, Offenheit, Flexibilität, Umbau von Stereotypen, und Handlungsorientiertheit. Erneuerungs-, Innovationsfähigkeiten und die der effektiven Kommunikation gewinnen an Bedeutung, Fachkenntnisse werden außerordentlich wichtig. Jedes Individuum sollte imstande sein, Anstrengungen zu machen, um auf neue Herausforderungen adequater zu reagieren, und sollte vor allem motiviert sein, was das Lernen anbetrifft. Damit diese Persönlichkeitsmerkmale sich entfalten, ist die aktive Teilnahme am Lernprozeß unentbehrlich (Europäische Kommission, 1996. S. 141).

Freiheit

Das Ziel, im innerlichen Sinne freie Menschen zu erziehen, die imstande sind, sich zu verwirklichen, ist nur im Prozeß einer qualitativen Bildung und Erziehung möglich. „Qualitativ” und zugleich von europäischem Wert sind Erziehungssysteme, in denen die gesetzten Ziele sich verwirklichen.

Wir betonen, daß es sich hier um eine Freiheitsauffassung anderer Art handelt, die von der üblichen Auffassung abweicht. Der Begriff Freiheit wird hier weder vom philosophischen noch vom geschichtlichen Gesichtspunkt aus betrachtet, sondern ein pädagogisch-psychologischer Prozeß wird vorausgesetzt, im Laufe dessen Personen zu autonomeren Menschen werden als sie es früher waren und von ihren inneren Möglichkeiten besser Gebrauch machen (Rogers, 1963/1983, S. 71-80). Unter den Zielsetzungen der europäischen Erziehung spielt die Förderung der persönlichen Autonomie eine besonders betonte Rolle (Europäische Kommission, 1998. S. 115).

In der Konzeption von Carl Rogers lernt das Individuum im Sinne dieser Interpretation des Freiheitsbegriffs allmählich verantwortlich zu wählen, Entscheidungen zu treffen. Es erkennt, es hat die Wahl, destruktiv oder konstruktiv zu sein, egoistisch oder zum Wohle der Gruppe  - und in ihr zum eigenen Wohle - zu handeln.  Hat das Individuum all diese Wahlmöglichkeiten, ist es viel wahrscheinlicher, daß eine positive Entwicklungstendenz beginnt.

Die Chance, daß europäische Werte zur Geltung kommen, ist viel größer, wenn Lehr- bzw. Lernprozeß in einer kreativen Workshopatmosphäre ablaufen. Immer mehr Untersuchungsergebnisse zeugen davon, daß unter spezifisch anregenden, motivierenden Verhältnissen mit hohem Vertrauensniveau individuelle Selbstverwirklichungsprozesse sich anregen lassen und konstruktive Änderungen vor sich gehen, positive Energien freiwerden. Diese Unterrichtsart trägt dazu bei, sich gut anpassende, kreative Personen zu erziehen, die auf bedeutende Veränderungen der Welt offen reagieren können bzw. imstande sind, verantwortlich zu entscheiden und anstatt der Anarchie der Aggression eine verantwortliche Freiheit, die sich selbst gestellten Grenzen zu wählen.

Wie erleben Schüler den Zustand der Selbstverwirklichung, der Freiheit? Hier einige Beispiele dafür: „Es war nicht verbindlich, aber die ganze Zeit, die uns zur Verfügung stand, hatte ich Lust, an der Aufgabe zu arbeiten” (Die Person hat entdeckt, was bedeutet, autonom, kreativ zu sein.). „Ich hatte den Eindruck, ich bin wichtig, reif.” „Ich wurde mit reingezogen”. „Diese Aufgabe hat sich für mich als über alle Maßen wichtig erwiesen.” Schlüsselbegriffe des Erlebten: Produktivität, Kreativität, inneres Bedürfnis (Rogers, zitiertes Werk, ebenda).

Wir weisen darauf hin, daß gewisse pädagogische Systeme Selbstverwirklichungsbestrebungen und Solidaritätsideal für unvereinbar halten. Unseres Erachtens trägt man durch Anregung zur  vollen Ausnutzung des eigenen Potenzials zur Entwicklung des Individuums, der Organisation und auch der Gesellschaft bei.

Die entworfene Anschauungsgrundlage verlangt von Lehrern eine Vorbereitung, einen Arbeitsstil und eine Berufskompetenz, die von den früheren abweichen. Die Teileinheit Europäische Werte trägt dazu bei, daß Autonomie, Kreativität, Produktivität und Verantwortungsübernahme im Wertsystem von Lehramtskandidaten immer größeren Spielraum bekommen.

(b) Einstimmen auf Qualität

Laut Stellungnahme der Europäischen Kommission ist es „unentbehrlich, daß die Schule die menschliche Qualität in den Mittelpunkt der Aufmerksamkeit stellt” (Europäische Kommission, 1998, S. 118)

In Ungarn hat das Ministerium für Bildung die Qualitätspolitik im Jahre 1999 gestartet. Durch Änderung des Gesetzes vom Jahre 1993 über Volksbildung wurden die gesetzlichen Rahmen für Erhöhung der Qualität von Bildung, Erziehung und Schulung geschaffen. Das Vorhandensein eines gesetzlichen Hintergrunds ist eine notwendige aber nicht genügende Bedingung dafür, daß Grundsätze, die mit Qualität zusammenhängen, zur Geltung kommen. Bei Qualitätsentwicklung spielt der menschliche Faktor eine entscheidende Rolle. Die Einheit Einstimmen auf Qualität entwickelt die Qualitätsanschauung von Lehrern und regt zur Vorbereitung auf ein qualitätsbewußtes Verhalten an.

„Europäische Qualität”

Aufgrund der Abhandlung von Pál Molnár hat das vorgeschlagene Zukunftsbild der europäischen Qualität drei Schlüsselelemente:

·      Vielfältigkeit, als einer der wichtigsten Faktoren der europäischen Wettbewerbsfähigkeit;

·      Die europäischen Werte - ein „europäischer Mythos” wird zustande gebracht, der außer schon bestehenden Werten teilweise auf neuen Werten beruht;

·      Entwicklung einer „Gewinnen wir zusammen”-Kultur, in der neue Arbeitsmethoden, neue Kooperationsformen, Partnerbeziehungen neuer Art, Teambildung die Schlüsselfaktoren sind.

In weiterem Sinne sind Bürgerorientiertheit, permanente Entwicklung, Angestelltenloyalität, Nutzung von Ressourcen und freie Informationsströmung als Qualitätswerte zu betrachten. (Molnár, 2000, 117, S. 122)

Diese Gedankenfolge läßt sich mit Aufgaben der Qualitätsentwicklung in der Volksbildung vergleichen. Es ist dementsprechend bezogen auf die Welt der Schule als Qualitätswert aufzufassen, wenn die zentrale Rolle des Menschen und die Achtung der Menschenwürde im Erziehungsideal erscheinen und in der Wirklichkeit zur Geltung kommen. Die Schule, als Organisation strebt stets nach Erneuerung. Die Lehrer sind professionell vorbereitet, für ihren Beruf engagiert. Zwischen Staat, Schulverwaltung, Eltern, Lehrern, Schülern, Lokalgesellschaft besteht eine offene Kommunikation.

Der „europäische Bürger”

„Der Begriff europäischer Bürger ist eigentlich eine humanistische Konzeption, der der Aufbau eines größeren Europas zugrunde liegt, das trotz kultureller Unterschiede der Völker der Region, trotz abweichender Wirtschaftskonzeptionen und Naturgegebenheiten der einzelnen Staaten durch das Gefühl vereinigt wird, daß es zu einer gemeinsamen Zivilisation gehört.” (Europäische Kommission, 1998, S. 115)  Werte der europäischen Qualität werden durch das Erziehungsideal des europäischen Bürgers vergegenwertigt. In der Arbeit, Lebensführung, Anschauung, im Verhalten des europäischen Bürgers erscheinen die vorstehend geschilderten europäischen Qualitätswerte.

Zoltán Báthory erörtert in seiner Abhandlung, daß aufgrund von Dokumenten der Europäischen Union sich zwei Interpretationsrichtlinien der Integration zeigen. Während im rationalen politisch-wirtschaftlichen Zug Erziehung nur als spezifische Branche der „Produktion” von Arbeitskräften betont wird, liegen der kulturell-geistigen Linie eine gemeinsame europäische Tradition, Kultur, das  Bürgerideal von Erasmus zugrunde. Der vorstehend geschilderte Bürgerbegriff ist mit der letzteren Richtung in Verwandtschaft zu bringen. Die Frage stellt sich, was Priorität haben soll: gesellschaftlich-kulturelle Integration oder politisch-wirtschaftliche Integration? (Báthory, 1998, S. 170).

Vom Gesichtspunkt der Vorbereitungsarbeit aus ist eine wesentliche Frage, ob man sich zu der einen oder der anderen Tendenz bekennt, da verschiedene Richtlinien die Anwendung von verschiedenen pädagogischen Mittelsystemen voraussetzen. In unserem kreativen Workshop wird die gesellschaftlich-kulturelle Tendenz betont. Dementsprechend schlagen wir vor, Begriffe wie wirtschaftsartiger Wettbewerb, Wettbewerbsfähigkeit, Schulkonkurrenz neu zu bewerten.

Wettbewerbsfähigkeit

Im pädagogischen Denken wird der Wettbewerbsgeist im wirtschaftlichen Sinne dadurch gefördert, daß in einigen Dokumenten des Schulwesens zum Ziel gesetzt wird daß die Schule als Organisation wettbewerbsfähig werden soll. Unser Dilemma ergibt sich daraus, daß Wettbewerb eine für alle gleich geltende Vergleichsnorm, einen Maßstab voraussetzt. Der Wettbewerb läuft für Studienplätze, für die geringen Finanzmittel, für einen vorteilhaften gesellschaftlichen Status. Als Ergebnis des Selektionsprozesses kommt eine  Hierarchie - natürlich mit ersten und letzten Plätzen - zustande.

Wird die Persönlichkeitsentwicklung als eine Art von Selbstverwirklichung aufgefaßt, ist die Entwicklung als eine Art Kampf für die wesentlichen Plätze und nicht für die Plätze in der Hierarchie zu verstehen. In der entwicklungsorientierten Anschauungsweise richtet sich die Entwicklungsarbeit auf eine zunehmend vollständige Entfaltung von Fähigkeiten. Auf organisatorischer Ebene bedeutet dies, daß Ausbildungsstätten sich nicht miteinander vergleichen wollen: es geht darum, wie die gegebene Schule sich mit sich verglichen entwickelt hat. Priorität hat die Entwicklung, im Laufe deren in der Schule ein den eigenen Zielsetzungen der Schule entsprechender Wirkungsmechanismus ausgereift wird.

Die vorstehend geschilderte Qualitätsanschauung, ein entwicklungsorientiertes Denken lassen sich mit der Verbreitung des wirtschaftsartigen Wettbewerbsgeistes in der Schule wenig vereinbaren.

Unseres Erachtens können vor allem die volle Entwicklung der Priorität genießenden Fähigkeiten, eine effektive Persönlichkeitsentwicklung zur Erfüllung der durch die Europäische Kommission formulierten Grundforderung, der Erhöhung der Beschäftigung beitragen. Perspektivisch lassen sich mit der Entwicklung der inneren Motivation statt Existenzzwang, mit der Entwicklung des persönlichen Potenzials bessere und festere Ergebnisse erzielen. Pfand für die Qualitätsverbesserung mögen die inhaltliche, methodische Erneuerung und die der Anschauungsweise der pädagogischen Arbeit sein. Bei der Vorbereitung von Lehramtskandidaten wurden methodische Mittel eingesetzt, die der entwicklungsorientierten Anschauungsgrundlage entsprachen.

Die Kurse Einstimmen auf Qualität tragen bei, Werte klarzustellen, Widersprüche zu lösen.  Studenten können die Frage besser beantworten, was als europäische Qualität, Bildungsqualität, im allgemeinen als europäische Qualität zu betrachten ist. Für Lehramtskandidaten kann erlebnisartiges Lernen zu einer Motivationsgrundlage werden, die zur Anschauungs- und Verhaltensänderungen beiträgt.

(c) Kooperation lernen

Lokale Selbstbestimmung

„Zu den Grundzügen des Institutionssystems der europäischen Volksbildung  gehören Autonomie bzw. die Besonderheit, daß Entscheidungen, die die Tätigkeit von Schulen bestimmen, auf Lokalebene getroffen werden” (Báthory, zitiertes Werk, S. 172).

Die Grundsätze des Nationallehrplans, sein gemeinsames Normsystem wurden bestimmt, sie schreiben jedoch keinen konkreten Weg vor. In Kenntnis der lokalen Gegebenheiten gestalten Lehrerkollegien ihre eigenen Programme.

Eine zweckbestimmte Entwicklung von Fähigkeiten, die Kooperation in Schulgemeinschaften ermöglichen, verlangt ausgesprochen Fachkenntnisse. Sowohl Entscheidungstreffen im Konzensusprozeß, als auch Verantwortungsübernahme in Bezug auf Folgen der Entscheidungen sind zu erlernen. Um Ansprüche der Lokalgemeinschaft wahrzunehmen, braucht Schule ebenfalls eine intensive Entwicklungsarbeit. Lokale Selbstbestimmung besteht darin, daß Schulen - in Kenntnis der ihnen bekannten Lokalansprüchen - ihre Identität bestimmen und dementsprechend ihre Ziele konzipieren. Die Gestaltung eines pädagogischen Programms, dem die Zielerfüllung zugrunde liegt, verlangt von den Lehrern nicht nur Fachwissen, sondern auch eine intensive Kooperation.

In Bezug auf Qualitätsentwicklung wird allgemein angenommen,  daß Qualität ein Lokalbegriff ist. Lehrerkollegien bestimmen selbst, was als Qualität zu betrachten ist und sie ordnen ihrem eigenen Qualitätsbegriff die zu lösenden Aufgaben zu. Damit ein einheitliches Image entsteht, haben Lehrer ihre eigenen Wertordnungen, Normen zu koordinieren, ihre Standpunkte gegenseitig kennenzulernen, Ansichten neu zu bewerten, um einander näher zu kommen. Die Chance auf eine bessere Gesamtleistung ist größer, wenn Menschen imstande sind, zusammenzuarbeiten. Das vorstehend Erwähnte läßt sich ohne Entwicklung der Fähigkeiten, der Persönlichkeit von Lehramtskandidaten, von praktizierenden Lehrern kaum realisieren.

Laut Zoltán Báthory ist unter europäischer Bildungsdimension ein Gewebe von lokalen, nationalen, europäischen und globalen Wertordnungen zu verstehen. In seiner Auffassung handelt es sich um vier gleichwertige Teileinheiten. Dementsprechend lassen sich europäische Werte, Inhalte in die Bildung von außen, von oben nicht integrieren (Báthory, zitiertes Werk, ebenda). In unserer Arbeitsgruppe wird der Begriff europäische Dimension ähnlich interpretiert. Von Lokalaufgaben abgesehen, besteht eine der zu entwickelnden Fähigkeiten darin, daß Schulen für die große Welt offen sind, sich an europäischen Programmen anschließen. Es wäre wichtig, eine Motivationsgrundlage in dieser Hinsicht auszubauen.

Unseres Erachtens besteht eine der grundlegenden Aufgaben der Vorbereitungsarbeit darin, Prozesse, die „innen” beginnen, anzuregen, sie sowohl auf persönlicher als auch auf Organisationsebene zu fördern. Innere Reife-, Erneuerungsprozesse werden angeregt.

Wie Mihály Bihari formuliert, genügt es nicht, die als Voraussetzung für den Beitritt der Europäischen Union geltende Demokratie zu ertragen, sie ist auch zu betätigen. In Ungarn wurde das Institutionssystem der Demokratie theoretisch errichtet. Praktisch liegt es an den Bürgern, ob sie davon Gebrauch machen können. Ohne eine mitgestaltende, aktive, kreative Attitüde und verantwortliche Mitarbeit der Bürger lassen sich demokratisches Denken und Wertsystem nicht konsolidieren. Die Teileinheit Kooperation lernen regt Teilnehmer an, Nutzen der Kooperation zu erfahren, mit der Kooperation vertraut zu werden, Fertigkeiten in diesem Bereich zu erlangen.

3. Ergebnisse der Vorbereitungsarbeit

Unser pädagogischer Workshop hat sich zum Ziel gesetzt, theoretische Thesen in der Verhaltenskultur von Lehramtskandidaten zur Geltung zu bringen. Es ist nicht nur als Ziel, sondern auch als Ergebnis zu betrachten, wenn Grundwerte sich in dem Gruppenleitungs-, Organisations-, Umgangs- und Lehrstil von Studenten einbauen. Es gilt als Beweis für die Wirksamkeit unserer Arbeit, wenn unsere Studenten und ihre Schüler beginnen, sich europäisch zu benehmen und europäisch zu denken.

Lassen Sie uns zwei Momente als Beispiele erwähnen. Einerseits wollen wir die wichtigsten Erfahrungen von anschauungsgestaltenden Kursen zusammenfassen, die im Kreis von Grundschulkindern stattfanden. Geleitet wurden die Kurse von Lehramtskandidaten, die sich in unserem Workshop vorbereitet hatten, und diese Arbeit im Laufe des Schulpraktikums durchgeführt haben. Andererseits schildern wir kurz die Ergebnisse einer Untersuchung, an der heutige Schüler unserer früheren Studenten teilgenommen haben.

Vermittlung von europäischen Werten

Die Grundwerte des Programms Wegfinder wurden im Jahre 1999 unter Grundschulkindern in zwei Grundschulen in Szeged getestet. Beide Schulen werden von Schülern besucht, die aus ausgesprochen zerrütteten Familienverhältnissen kommen und als Problemfälle gelten. Die Schulen haben sich für die Lehramtskandidaten als geeignetes Terrain erwiesen, um an Aufgaben zu arbeiten, die eine Herausforderung darstellten. Die Gruppen, mit denen sie sich beschäftigt haben, wurden auf die Weise zusammengestellt, daß da Kinder verschiedenen Alters, aus verschiedenen ethnischen Gruppen sich die gesellschaftlichen Kooperationsformen gemeinsam anzueignen hatten. Zu den Sitzungen sind Schüler aus der zweiten Klasse (14 Schüler), dritten Klasse (10 Schüler), vierten Klasse (8 Schüler) erschienen, von ihnen gehörten 50 % dem Zigeunerethnikum an. Als Kriterien für die Effektivität der Arbeit der Lehramtskandidaten wurden die Durchsetzung von demokratischen Attitüden und das adequate Reagieren in konkreten pädagogischen Situationen bestimmt.

Dank des Führungsstils, der Vorbereitung der „Studentenlehrer” waren die Grundschulkinder imstande, Gruppenregeln aufzustellen. Sie haben selber entschieden, aufgrund welcher Werte sie arbeiten wollen. Sie waren sogar bestrebt, die Arbeitsordnung der Gruppe einzuhalten. In der günstigen psychologischen Atmosphäre haben die Schüler erlebt und erfahren, was es bedeutet, einander zu achten und zu ehren, was Kooperation mit den Mitschülern bedeutet.

Europäertum in der Wertordnung von Kindern

Eine der Hauptfragen für uns war, ob es unseren Lehramtskandidaten in der konkreten Schulrealität gelingt, europäische Werte zu vermitteln. Interessiert hat uns, was die Schüler der von uns vorbereiteten, nunmehr praktizierenden Lehrer aus der Mentalität unseres Pädagogikworkshops profitierten.

Im Laufe der Untersuchung „Mit den Augen der Jugend” wurde eine Antwort auf die Frage gesucht, was Jugendliche vom Gesichtspunkt der Selbstverwirklichung aus als Chance erleben. Unter den Befragten befanden sich 209 Grundschulkinder aus dem Komitat Csongrád. Die Schüler haben vorher, im Jahre 2000 an einem fakultativen Dreistunden-Vorbereitungskurs („Europäische Kenntnisse”) teilgenommen.

Die Schüler hatten einen Aufsatz in Essayform über das Thema „Möglichkeiten, die sich mir erschließen” zu schreiben. Nach Verarbeitung der Angaben hat sich eindeutig herausgestellt, daß Jugendliche den EU-Beitritt als eine Chance erleben. So wie sie formuliert haben: „Die Integration bedeutet für mich eine Möglichkeit im Leben voranzukommen.”

Im Denken, in den Ansichten der Schüler haben sich Änderungen gezeigt. Zum Beispiel: „Mir fehlt nicht Schulung, sondern Wissen”, „Ich möchte das Abitur machen, um mehr zu wissen, nicht um ein Zeugnis zu haben”.

Auf Änderungen im Denken können später Änderungen im Verhalten folgen. Uns hat ebenfalls interessiert, welche Anstrengungen die Schüler machen, um von den von ihnen formulierten Vorteilen Gebrauch machen zu können. Aus den Antworten waren auch konkrete Handlungen zu entnehmen. Einige Gedanken aus den Aufsätzen: „Ich weiß, daß es noch viele Probleme zu lösen gibt, so lerne ich noch fleißiger.”, „Ich lerne zur Zeit noch vieles, was ich bisher noch nicht gebraucht habe.”, „Ich beschäftige mich mit Sprachen und Informatik.” „Ich bereite mich auf den Schumann-Tag vor, da ich möglichst viel über die Europäische Union wissen möchte”.

Zusammenfassung

Ob die Möglichkeiten, die sich aus der Integration ergeben, realisiert werden, hängt teilweise davon ab, was für große und bedeutende Veränderungen im Denkprozeß von Lehrern vor sich gehen. Die Erfahrungen der durch die Sektion Pädagogik der Juhász-Gyula-Pädagogischen-Hochschulfakultät der Universität Szeged organisierten Kurse zeugen davon, daß eine sach- und zweckmäßige Vorbereitung von Lehrern den entscheidenden Durchbruch von europäischen Werten fördern kann. Die Lehramtskandidaten, die an den Vorbereitungskursen teilgenommen haben, und ihre Schüler erleben den EU-Beitritt als eine Chance, sie bereiten sich darauf vor, um von der Möglichkeit Gebrauch zu machen. Diese Tatsache hat die Arbeitsgruppe davon überzeugt, daß europäische Werte gelehrt und gelernt werden können.

Schlußfolgerungen

·      Lehramtskandidaten können sich auf Ausübung ihres Berufs optimal, auf die Weise vorbereiten, wie sie auch unterrichten sollen;

·      Wenn Lehrer selbst regelmäßig an Fähigkeits- und Fertigkeitsentwicklungsprogrammen teilnehmen, die sich auf präferierte Fertigkeiten beziehen, bestehen größere Chancen dafür, daß sie ihre eigene Unterrichtspraxis überprüfen und revidieren;

·      Wenn Lehrer die Besonderheiten der Workshoparbeit erfahren (vor allem die Möglichkeiten der Persönlichkeitsentwicklung) ist es wahrscheinlicher, daß diese Arbeitsform in ihrer täglichen Unterrichtspraxis mehr Platz einnehmen wird;

·      Wenn Lehrer ihre eigene Persönlichkeit und ihre eigenen Fachkenntnisse bzw. Fertigkeiten zielbewußt, systematisch entwickeln, erscheinen die von ihnen vermittelten Werte in ihrem Alltagsverhalten immer ausgeprägter. Sie vermitteln keine Kenntnisse über Qualitätsanschauung, qualitätsbewußtes Verhalten, Kooperation, sondern bieten Modelle über diese Begriffe, die für Schüler als authentische Muster dienen können. Die Wichtigkeit von persönlichen Beispielen ist kein neuer Begriff. Neu mag höchstens sein, daß gutes Beispiel, als effektive Methode der Persönlichkeitsentwicklung, von Stunde zu Stunde zur Geltung kommt.

Empfehlungen

Bei der Formulierung der Schlußgedanken stellt sich die Frage, in welchem Maße ein Sektionsforschungsteam dazu beitragen kann, daß europäische Dimensionen in immer weiterem Kreis zur Geltung kommen. Wir können die Frage aufgrund von bedeutenden Unterrichtserfahrungen, von Ergebnissen langjähriger pädagogischer Forschungen beantworten.

·      Die Sektion regt vor allem in ihrem Wirkungsbereich die Studenten, zu denen sie Kontakte hat, zur Bereitschaft zu Änderungen, zur Entwicklung an;

·      Durch ihre Attitüde und Anschauung fördert sie den Prozeß der Attitüds- und Anschauungsänderungen;

·      Sie kann eine Alternative zum Routineunterricht, das Beispiel der engagierten Berufspraxis bieten;

·      Sie ist imstande, den Umbauprozeß von Stereotypen anzuregen;

·      Sie kann Entwicklungsansprüche anregen, die Aufmerksamkeit auf die Notwendigkeit des permanenten Lernens lenken;

·      Sie kann für werdende und praktizierende Lehrer durch Gestaltung und Geltendmachung einer pädagogischen Kultur, die den Herausforderungen unserer Zeit entspricht, die Möglichkeit einer besseren Vorbereitung auf den Beruf bieten;

·      Durch ihr berufsbezogenes Engagement, ihr authentisches Programmangebot kann sie die Motivation zum Lehrerberuf fördern.

Der im ungarischen Kulturkreis ausgereifte, auf Konsultationen mit Experten aus der Europäischen Union beruhende Kurs, dem Erlebnisse aus Studienreisen im Ausland, aus Erfahrungsaustauschen zugrunde liegen, kann ein lebendiges Modell für Mikro- und Makrogemeinschaften von Gesellschaften im Umbruch bieten. Er kann zum Integrationsprozeß beitragen, zeigen, wie Lehrer und Schüler sich Europa als Zukunftsbild des Sittenideals zeichnen.

Er kann die Frage beantworten, wie sich der Durchbruch eines qualitätsbewußten Verhaltens, als Voraussetzung für Wachstum und Entwicklung, in der alltäglichen pädagogischen Praxis anregen läßt. Wie läßt sich erzielen, daß Moralnormen in einem zunehmend breiten Kreis verinnerlicht werden und als Verhaltensnormen funktionieren?

Davon, daß dieses Programm bekannt ist und anerkannt wird, zeugt, daß bei der die Kurse leitenden-koordinierenden Arbeitsgruppe der Sektion Erziehungswissenschaften zunehmend viele Bildungs- bzw. Fortbildungsansprüche aus dem Bereich von Unternehmungen eintreffen.


Übersichtsstabelle Nr. 1

Theoretischer und praktischer Hintergrund des Programms Wegsucher der Sektion Erziehungswissenschaften der Juhász-Gyula-Pädagogischen-Hochschulfakultät der Universität Szeged

1982-2000

 

Bezeichnung des durchgeführten  Programms

Wichtigste Literatur, die dem Programm theoretisch zugrunde liegt

Einige bedeutende Bildungsformen, die der praktischen Vorbereitung zugrunde lagen

Wichtigste Literatur über die praktischen Ergebnisse der Verwirklichung

1.

Personenorientiert

1982-1986-1992

Goldstein, 1940

Rogers, 1959

Maslow, 1969

Encounter Groups, Training,

1985/86/87

Frank D. Cardella, Training, 1990

Gordon T.E.T. Training, 1990

Farkas, 1994

2.

Alternatives to Violence Project

1993-1997

Bickmore, 1984

Eveson, S., 1993

Aronson, E., 1994

AVP3 -Grundtraining, 1993

AVP-Aufbautraining, 1993

AVP-Trainerbildung, 1993

Farkas, 1997

Farkas, 1997,

 Herausg.

3.

Kooperation lernen

1994-1998

Klein, 1986

Papp, 1993

Nagy, 1996

ÁTK4 -Workshopkurs, 1995/96

Israel, Studienreise, 1997

Menschenrechtstraining, 1998

Farkas, 1998

Farkas-Kiss, 1999

4.

Wegsucher

1999-2000

Nagy, 1999

Bálint, 1998

Horváth, 1999

TQM5 -Multiplikatorbildung, 1996

Bildung Europäische Integration, 1998

Qualitätssicherung im Unterrichtswesen,

1999/2000

Farkas, 2000


Übersichtstabelle Nr. 2

Hintergrundmerkmale des Programms Wegsucher, 1982-2000

 

Bezeichnung des durchgeführten Programms

Schlüsselbegriffe, die die Grundwerte ausdrücken

Zielgruppen

Arbeitsformen

Statistik

Weiterlebende Elemente

Reaktionen auf die Herausforderungen der Gesellschaft

1.

Personenorientiert

1982-1986-1992

Adaptiert

Kongruenz

Annahme

Empathie

AL6 -, AN7 -, ML8 -Studenten

KI9 -Pädagogen

Trainings-

programme

2354 Pers./252 Std.

Lernen für sich, persönliche Entwicklung

Wende,

Suche nach pädagogischen Alternativen

2.

Alternatives to

Violence Project

1993-1997

Adaptiert

Entscheidung mit

Konzensus

Kreative Konfliktbehandlung

Offene Kommunikation

Selbstachtung

Teambildung

AL-, AN-, ML-Studenten

KI-Pädagogen

42 Trainings

50 Präsenta-

tionen

Konferenz,

Erfahrungs-

austausch

650 Pers./1260 Std.

750 Pers./1410 Std.

225 Pers./10 Std.

Insgesamt:

1625 Pers./

1420 Std.

Bewertungsprozeß,

Bestätigung

Suche nach konstruktiven Reaktionsmöglichkeiten

Reaktion auf die Bedürfnisse der Jahre nach der Wende.

Durch die locker gewordene staatliche Kontrolle kommen mehr Konflikte auf.

3.

Kooperation

lernen

1994-1998

Ausgereift

Innere Kontrolle

Autonomie

Verantwortungsübernahme

Kooperation

KI-Lehrerkollegien

Fortbildung

Acht Kurse

8x16 Stunden

128 Pers./136 Std.

Lokale Selbstbestimmung,

Lokale Entscheidungen,

Aktive Bürger

Demokratisches Denken und Wertsysteme

konsolidieren sich.

Innere Werte aktivieren.

4.

Wegsucher

1999-2000

Ausgereift

Europäertum

Qualität

Moralität

AL-, AN-, ML-Studenten

KI-Pädagogen

58Vorlesungen

Fortbildung

Sechs Kurse

Bildung-

10 Konsulta-

tionen

Gruppenstärke:nicht registriert/104 Std.

105 Pers./77 Std.

282 Pers./80 Std.

„Europäische Qualität”

„Europäischer Bürger”

Wettbewerbsfähigkeit

Anknüpfung an Europa

1999

Qualitätspolitik des Ministeriums für Bildung

 

Insgesamt

     

4494 Personen/2069 Stunden

   

Literaturverzeichnis

·      Zoltán Báthory (1998): Europäische Dimensionen der Volksbildung. Új Pedagógiai Szemle, Jahrgang XLVIII, Nr. 7-8, S. 169-172

·      Europäische Kommission (1996): Unterrichten und lernen. Auf dem Weg zur kognitiven Gesellschaft. Weißes Buch über Unterricht und Bildung. Ministerium für Arbeit. In Zusammenarbeit mit dem Leonardo-Büro, Budapest

·      Bericht einer durch die Europäische Kommission beauftragten internationalen Forschungsgruppe (1998): Europäertum mit Hilfe von Unterricht und Bildung, Új Pedagógiai Szemle, Jahrgang XLVIII, Nr. 11, S. 114-127. Der Übersetzung lag eine Publikation zugrunde, die durch eine Schulexperten-Forschergruppe der Europäischen Kommission zur Gestaltung der Bildungspolitik der EU zusammengestellt wurde. Das Dokument ist unter Schulforschern und im Unterrichtswesen auch als „Blaues Buch des Unterrichtswesens” bekannt. Ursprünglicher Titel: Accomplishing Europe through Education and Training. European Commission, 1997

·      Gergely Csibra (1995, Herausgeber): Psychlogie. Osiris-Századvég, Budapest. S. 402-403 Der Übersetzung liegt das Werk wie folgt zugrunde: Introduction to Psychology. Eleventh Edition, Harcourt Brace Jovanovich College Publishers, Forth North, 1993.

·      Olga Farkas (2000): Wegsuchen und Vermittlung im Themenkreis Qualitätsmanagement. In:  Farkas Olga: Wegsuchen und Vermittlung. 25 Jahre im Lehrerberuf. Designer Stúdió Bt., Szeged, S. 151-200

·      István Kondor (1997): Begriffe im Qualitätswesen. Moderne Begriffe und Abkürzungen im Qualitätswesen. Gépipari Tudományos Egyesület Ipari Minõségi Klub, Budapest.

·      Pál Molnár (2000): Auf dem Weg zum Zukunftsbild der europäischen Qualität. Minõség és Megbízhatóság. Nr. 3. S. 116-122

·      Ministerium für Kultur und Volksbildung (1995): Nationaler Grundlehrplan. Budapest

·      R. Rogers: Person to Person. S. 47-66. 1. Auflage: Farber und Wilson (Herausg.): Conflict and Creativity. San Francisco, 1963. Mc Graw-Hill, Inc. In: Éva Pethõ (1983): Auswahl aus den Werken von Carl Rogers. Psychologische Beratung bei der Berufswahl. Módszertani füzetek, Nr. 27. Ungarisches Pädagogisches Institut, Budapest. S. 71-80

Szeged, den 21. September 2000

Megjelent: In: Europäertum - Qualität - Moralität. Studia Universitatis Babes - Bolyai (Románia). Philologia, XL. w 1. 2001. 14 p.


[1] Vorgetragen auf der internationalen Konferenz „Europäertum - politische und moralische Kultur”. Die Beratung wurde durch die Stiftung Europäischer Dialog, die Abteilung Philosophie und Geschichtswissenschaft der Akademischen Kommission Szeged, die Juhász-Gyula-Pädagogische-Hochschulfakultät der Universität Szeged und die Stadtverwaltung der Komitatstadt Kecskemét veranstaltet. Kecskemét, 2000. Oktober 27-28.

[1]

[2] Die methodischen Merkmale wurden auf der Internationalen Wissenschaftlichen Konferenz anläßlich der Apáczai-Tage vorgestellt. Vorgetragen in der Sektion Alternative und Reformpädagogik in Ungarn und im Ausland, mit dem Titel Erfahrungen von Workshopkursen in Ausbildungsstätten zur Einstellung auf Qualität auf der Konferenz an der Apáczai-Csere-János-Pädagogischen-Hochschulfakultät der Universität Westungarn. Gyõr, 19-20-21. Oktober 2000

3 Abkürzung für Alternatives to Violence Project

4 Zentrale für Bürgerstudien, Budapest

5 Total Quality Management

6 AL Grunddiplomausbildung, Fernstudium

7 AN Grunddiplomausbildung, Direktstudium

8 ML Zweitdiplomausbildung, Fernstudium

9 KI Öffentliche Schulen


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